3.0
Ich mochte das iPhone, weil es es mir half das zu tun, was ich tun wollte. Das machte es sehr gut. Ich hatte einen Homescreen, bei dem ich mich zuhause fühlte. Ich wusste, wo meine Sachen liegen und ich wusste auch, wo die Sachen liegen könnten, von denen ich nicht genau wusste wo sie gerade sind. Ziemlich gut. Das bekamen andere Handys nicht hin. Es gibt da die berühmte Geschichte von dem Nokia Handy, das in zwei verschiedenen Programmen unterschiedliche Uhrzeiten anzeigt. Apple war anders. Damals beim iPhone 1G. Was wurde gemotzt, dass keine 10202121 Spiele vorinstalliert waren und was wurde gezetert, dass dies nicht ging und das fehlte. Wir waren da alle noch sehr nokiamäßig drauf. Apple reagierte richtig und setzte uns vor ein recht reduziertes UI mit den wichtigsten Features. Optionales wurde im Zweifelsfall weggelassen. Das war gut für die Einführung dieses Betriebssystems.
4.0
Schnitt und Blick auf iOS4. Wir haben hier einen Homebutton, der 5 (!!!) verschiedene Dinge bewirken kann. Dann gibts da noch Spotlight, das links vom Homescreen sitzt und, bei mir zumindest, in 90% der Fälle aus Versehen aufgerufen wird. Dann haben wir ein Multitasking, das ich nicht verstehe. Manche Apps unterstützen es – andere nicht. Woher soll ich wissen, welche App ich gefahrlos schließen kann? Dann gibts da auch noch den Springboard-Wallpaper. Krasse Scheiße, Hammerfeature. Das Standard-Tropfen-Wallpaper verstößt gegen jede Geringerkontrastschlechtlesbar-Regel und der Schlagschatten der App Namen hilft da auch wenig. Neu sind auch Ordner, die, wenn man genau drüber nachdenkt, schon ein recht großer Schritt sind. Pseudo-Dateisystem. Mich stört, dass sie sich nicht schließen, wenn man eine App öffnet. Das heißt, wenn man nach dem Homebuttonklick aus der App auf das Springboard zurückkehrt, ist der Ordner noch offen. Schon wieder ist man am Homebutton um den Ordner zu schließen. Direkt aus der App doppelt klicken geht nicht, weil sich dann ja die Multitaskingleiste dazwischendrängelt.
Wie es mir geht.
Ich habe keine Ahnung, wo sich das, was ich suche befindet. Ich taumle zwischen Homebuttondoppelklicks, versteckten Multitaskingleisten und irgendwelchen Ordnern hin und her und habe keine Ahnung was ich tue. Ich komme da an, wo ich hinwollte, öffne aber auf dem Weg 3 Dialoge und 5 Menüs, die von irgendwo herkommen. Das Gefühl, zu wissen, wo man sich befindet, wie mein “Status” ist, ist gewichen. Jetzt habe ich zwar das Gefühl supervieletolle Dinge tun zu können, aber im Endeffekt ist das nicht das was ich will. Ich will Funktionen, die ich benutzen kann, ohne dafür Einbüßen in meiner Orientierung innerhalb des Systems zu haben. Das iPhone wirkt auf mich nicht so, als wenn es für das iOS4 gemacht wäre. Das iPhone war gut für mich, weil es diesen reduzierten “Workflow” extrem gut unterstütze und verkörperte. Bis OS 3.0. Da fühlte ich mich, bis auf die Spotlightsache, wohl und fähig.
Man riet mir, mich an die neuen Funktionen zu gewöhnen. “Das lernst du doch”. Klar lerne ich das, aber was ist aus dem iPhone geworden, dass ich meinem 5-jährigen Cousin in die Hand drückte und er wusste, was zu tun ist? Der weiß nicht, dass ein Knopf 5 Funktionen hat. Für ihn ist ein Hardwarebutton nichts anderes als ein Lichtschalter. 1 oder 0. Nicht 1, 2, 3, 4 oder 5. Dass man den User, also mich, ein bisschen wie einen 5-jährigen behandeln muss, damit er sich wohl fühlt, wusste Apple mal.
Es geht mir nicht darum, dass ich die neuen Features nicht gut finde. Mir kommt die ganze Sache nur halbherzig umgesetzt vor. Das stört mich.

